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10.12.2020

So finden Sie den perfekten Weihnachtsbaum

Nur etwa 15 Prozent der Weihnachtsbäume werden laut der Umweltorganisation Robin Wood noch von Waldbetrieben verkauft.

Rund 30 Millionen Weihnachtsbäume kaufen die Deutschen Jahr für Jahr, sechs Millionen mehr als noch im Jahr 2000. Die Nordmann-Tanne (Abies nordmanniana) ist mit fast 80 Prozent mit großem Abstand der beliebteste. Über 90 Prozent der Weihnachtsbäume stammen nicht mehr aus dem Wald, sondern werden von spezialisierten Gartenbaubetrieben in Plantagen angebaut. Dabei liegen die größten Anbauflächen in Deutschland in Schleswig-Holstein und im Sauerland. Vor allem die größeren Nordmann-Tannen, die in Deutschland verkauft werden, stammen zum größten Teil aus dänischen Plantagen. Sie wachsen im dortigen milden Küstenklima mit hoher Luftfeuchtigkeit besonders gut und brauchen acht bis zehn Jahre, bis sie verkaufsfertig sind.

Die Preise für Weihnachtsbäume sind seit einigen Jahren relativ stabil. Nordmann- und Nobilis-Tannen kosten je nach Qualität und Herkunft im Schnitt zwischen 19 und 24 Euro pro Meter, Blau-Fichten zwischen zehn und 16 Euro. Am günstigsten sind Rot-Fichten, die es schon ab sechs Euro pro Meter gibt. Hier stellen wir Ihnen die wichtigsten Weihnachtsbaum-Arten vor und geben Tipps, wie die Bäume lange ansehnlich bleiben.

Rot-Fichte

Die Rot-Fichte (Picea abies), aufgrund ihrer rötlichen Stammfärbung fälschlicherweise auch Rot-Tanne genannt, ist in Deutschland mit einem Waldflächenanteil von über 28 Prozent die am häufigsten vorkommende Baumart und daher von allen Weihnachtsbäumen der preiswerteste. Leider hat sie dafür aber auch einige Nachteile: Optisch macht sie mit ihren kurzen, stechenden Nadeln und dem etwas unregelmäßigen Kronenaufbau nicht allzu viel her, außerdem verliert sie in der warmen Stube oft schon nach einer Woche die ersten Nadeln. Die Triebe der Rot-Fichte sind sehr dünn und stehen meist etwas aufrecht – darum ist es schwierig, die Kerzen sicher zu befestigen.

Serbische Fichte

Die Serbische Fichte (Picea omorika) besitzt einen eher dünnen Stamm, eine relativ schmale, kegelförmige Krone mit annähernd waagerecht stehenden Ästen und leicht herabhängenden Seitenzweigen. Die Zweige wachsen auch in Bodennähe aus dem Stamm, was hübsch aussieht, aber Probleme beim Aufstellen machen kann. Ihre moosgrünen Nadeln mit silbrigen Unterseiten sind wie bei fast allen Fichten sehr hart und spitz. Serbische Fichten werfen wie Rot-Fichten im warmen Wohnzimmer schon nach kurzer Zeit die ersten Nadeln ab. Sie sind preisgünstig, aber in der Regel etwas teurer als Rot-Fichten.

Blau-Fichte

Die Blau-Fichte (Picea pungens), auch Stech-Fichte genannt, trägt harte und sehr dicht stehende, stechende Nadeln mit blaugrauem Schimmer. Besonders intensiv stahlblau ist der Farbton einer durch Samen vermehrten Auslese mit dem Sortennamen ‘Glauca’. Der Kronenaufbau ist für eine Fichte sehr gleichmäßig und auch die Nadeln haften relativ lange. Die Äste sind sehr kräftig und steif, daher eignen sie sich auch für schweren Weihnachtsschmuck. Die Blau-Fichte ist trotz ihrer Stacheln mit 13 Prozent Verkaufsanteil der zweitbeliebteste Weihnachtsbaum der Deutschen. Preislich liegt die Stech-Fichte etwa auf dem Niveau der Nordmann-Tanne und ist damit teurer als andere Fichten-Arten.

Kiefern

Kiefern (Pinus) sind als Weihnachtsbäume eher Exoten, denn sie besitzen meist nicht die weihnachtsbaumtypische kegelförmige Kronenform, sondern je nach Art eine breitere, etwas rundliche Krone. Die Äste sind relativ weich, deshalb neigen sie sich unter dem Gewicht des Christbaumschmucks leicht herab.

Die langen, nicht stechenden Nadeln machen es schwierig, die Kerzenhalter zu befestigen. Viele Arten wie zum Beispiel die heimische Wald-Kiefer wachsen außerdem so stark, dass sie bei Zimmergröße nur wenige Ast-Etagen besitzen. Ihre Nadeln bleiben von allen Weihnachtsbäumen am längsten frisch, außerdem verbreiten Kiefern in der Wohnung einen sehr angenehmen "Saunaduft".


Edel-Tanne und Korea-Tanne

Edel-Tannen (Abies procera) und Korea-Tannen (Abies koreana) sind die teuersten Weihnachtsbäume, da beide sehr langsam wachsen. Aus diesem Grund sind die gleichmäßigen, kegelförmigen Kronen auch sehr dicht, das heißt, der Abstand zwischen den einzelnen Zweig-Etagen ist nicht sehr groß. Beide Tannen-Arten tragen auffallend große, dekorative Zapfen und tannentypisch weiche Nadeln, die nicht stechen und sehr lange haften. Die Nadeln der Edel-Tanne zeigen einen graublauen, die der Korea-Tanne einen frischgrünen Farbton. Zudem verbreiten beide Arten einen leichten Zitrusduft.
 

Colorado-Tanne

Die Colorado-Tanne (Abies concolor) trägt die längsten Nadeln aller Tannen. Sie sind weich, relativ dünn und stahlgrau gefärbt. Die Krone der Colorado-Tanne ist meist etwas unregelmäßiger aufgebaut als die der anderen Tannenarten, dafür fallen ihre Nadeln nicht vorzeitig ab. Leider sind Colorado-Tannen nur selten im Handel erhältlich und wegen ihres Exotenstatus relativ teuer.
 

Nordmann-Tanne

Die Nordmann-Tanne (Abies nordmanniana) ist der perfekte Weihnachtsbaum und führt mit 75 Prozent der Verkäufe die Liste der meistgekauften Christbäume in Deutschland mit großem Abstand an. Die Nordmann-Tanne wird ausschließlich für die Nutzung als Weihnachtsbaum angebaut, forstlich hat die frostempfindliche Tanne keine Relevanz.
Die weichen Nadeln stechen nicht, tragen einen schönen, dunkelgrünen Farbton und haften sehr lange. An den flachen Zweigen lassen sich alle Arten von Dekoration problemlos anbringen. Die Krone ist aus einem durchgehenden Mitteltrieb und sehr regelmäßigen Ast-Etagen aufgebaut. Zwei Meter hohe Nordmann-Tannen sind mindestens zwölf Jahre alt und damit einige Jahre älter als gleich hohe Fichten. Aus diesem Grund sind sie auch entsprechend teurer.


So bleibt der Weihnachtsbaum lange frisch

Gewöhnen Sie Ihren Weihnachtsbaum langsam an die warmen Temperaturen, indem Sie ihn zunächst für zwei Tage in einem Eimer mit Wasser im kühlen Treppenhaus oder Keller lagern. Unmittelbar vor dem Aufstellen des Weihnachtsbaums sollten Sie das untere Stamm-Ende neu anschneiden und ihn anschließend in einen mit Wasser gefüllten Ständer stellen. Setzen Sie dem Wasser etwas Frischhaltemittel für Schnittblumen zu. Lassen Sie den Baum nach dem Aufstellen vor dem Schmücken einige Stunden Zeit, damit die vom Netz befreiten Äste sich setzen können und ihre eigentliche Form einnehmen. Im Wohnzimmer sollte der Baum möglichst hell stehen, aber nicht unmittelbar neben einem Heizkörper platziert werden, da er sonst sehr schnell einseitig austrocknet. Sprühen Sie die Krone auf keinen Fall mit Haarspray ein: Die Nadeln haften so zwar länger, aber gleichzeitig steigt auch die Brandgefahr.


Ist der Plastik-Weihnachtsbaum eine gute Alternative?

Nö. Aus vielen Gründen nicht. So kommen die meisten Plastik-Weihnachtsbäume aus Fernost. Durch die langen Transportwege haben sie einen großen ökologischen Fußabdruck, von den noch immer eher geringen Sozial- und Umweltstandards an Produktionsstandorten wie China mal ganz abgesehen.

Eine Studie wollte es 2009 wissen und betrachtete die CO2-Emissionen von Weihnachtsbäumen aus Kunststoff. Das Ergebnis: Der Plastik-„Baum“ muss mindestens sechs Jahre verwendet werden, damit er besser abschneidet. Die Wahl des Verkehrsmittels und die Länge der Fahrt bis zum Weihnachtsbaum machen dabei aber einen deutlich größeren Unterschied als die Wahl zwischen künstlichem Baum und dem aus Holz. Wer also unbedingt Kunststoff will, sollte vor allem eines tun: Das Plastik möglichst lange verwenden. Das gilt aber nur bei reiner CO2-Betrachtung.

Plastikbäume verbrauchen jedoch vor allem begrenzte fossile Rohstoffe, die CO2 freisetzen. Auch bestehen sie meist aus Kunststoffen wie PVC und PE, die jeweils besondere Entsorgung erfordern. Ob bei Produktion, Nutzung und Entsorgung diverse Schadstoffe wie Weichmacher, BPA, PAKs und andere austreten, hängt dann noch vom jeweiligen Plastikbaumproduzenten ab. Beim Bio-Weihnachtsbaum gibts all das nicht …

Ganz egal für welchen Tannenbaum Sie sich entscheiden, bitte entscheiden Sie sich für einen Bio-Weihnachtsbaum!

Bio-Weihnachtsbäume aus ökologischen Christbaum-Kulturen erkennen Sie an Siegeln der Bio-Anbauverbände, vor allem dem EU-Biosiegel, dem Biokreis-Siegel, dem Bioland-Siegel, dem Demeter-Siegel und dem Siegel von Naturland. Kunstdünger und chemisch-synthetische Pestizide sind hier ausgeschlossen.

Speziell bei Naturland-Weihnachtsbäumen wurden die Richtlinien für die ökologische Waldnutzung von Naturland zusammen mit den Umweltverbänden Robin Wood, Greenpeace und BUND erarbeitet. Zu den Bio-Kriterien gehört der Verzicht auf Kahlschlag, Pestizide, Düngungen und Entwässerungsmaßnahmen.

Nachhaltige Weihnachtsbäume kommen auch aus FSC-zertifizierten Wäldern. Das FSC-Siegel verspricht eine umweltgerechte, sozial verträgliche und wirtschaftlich tragfähige Waldnutzung ohne Pestizide und Mineraldünger. Streng genommen dürfen nur Holzprodukte das Siegel tragen, doch die Baumanbieter dürfen damit werben, dass ihre Öko-Weihnachtsbäume aus einem „FSC-zertifiziertem Forstbetrieb“ kommen.

PEFC-Tannenbäume kommen aus PEFC-zertifizierten Wäldern. PEFC gilt als industrienäher als FSC. Die Christbaum-Kulturen dürfen daher nach bestimmten Kriterien gedüngt und mit Herbiziden behandelt werden. Doch auch PEFC bemüht sich um nachhaltige Waldwirtschaft.

Eine Liste bundesweiter Anbieter von Öko- und Bio-Weihnachtsbäumen samt Adressen, Telefonnummern und anderen Infos finden Sie bei den Umweltschutzorganisationen:

Robin Wood (PDF) und

BUND (PDF).

Alternative: Regional-Weihnachtsbaum

Sollten Sie keine Möglichkeit haben, auf einen Bio-Weihnachtsbaum zurück zu greifen, dann ist es besser, sich als Weihnachtsbaum-Alternative für eine regionale Baumart zu entscheiden – eine Fichte, Kiefer oder Tanne. Eine Möglichkeit dafür sind Bäume aus regionaler Forstwirtschaft. Der NABU empfiehlt, auf Bäume von sogenannten Sonderflächen (unter Strom- oder auf Leitungstrassen) zurückzugreifen, da diese Flächen Teil der regionalen Forstbetriebe sind.

Wer sich für so eine Weihnachtsbaum-Alternative interessiert, fragt am besten bei Förster*innen oder beim Forstamt nach. Dort kann man oft auch Bäume bekommen, die ohnehin beim Durchforsten von Wäldern anfallen. Manche Waldbesitzer*innen bieten in der Weihnachtszeit auch die Möglichkeit, einen Christbaum selbst zu schlagen.

Durch den Kauf von regional erzeugten Christbäumen unterstützen Sie die heimischen Forstbetriebe und ersparen sich und der Umwelt unnötige Transportwege. Regionale Anbieter von Öko- oder Bio-Weihnachtsbäumen (auch zum Selberschlagen) finden Sie in Ihrer Nähe über die Christbaum-Map der Webseite proplanta.de, aber auch in den Listen von Robin Wood und BUND.

Fairer Weihnachtsbaum als Alternative

Eine weitere Alternative stellen Fair Trees dar. Der Großteil des Saatguts für die Weihnachtsbaumproduktion stammt aus Georgien. Die Zapfenpflücker*innen arbeiteten dort oft unter gefährlichen Bedingungen. „Fair Trees“ verbessert die Arbeitsbedingungen: Die Pflücker*innen bekommen einen angemessenen Lohn und sichere Kletterausrüstungen. Zudem unterstützt die „Fair Tree Foundation“ örtliche Gemeinden in Georgien, etwa im Bereich Bildung, Gesundheit oder Umwelt. Weihnachtsbäume mit „Fair Trees“-Zertifikat werden in ganz Europa verkauft, in Deutschland seit 2018 zum Beispiel in toom-Baumärkten.

Nachhaltigen Weihnachtsbaum leihen

Einige lokale Baumschulen, Förstereien und Gärtnereien bieten die Alternative, einen Christbaum zu mieten statt ihn zu kaufen. Der nachhaltige Weihnachtsbaum kommt im Topf, nach einer langsamen Gewöhnung an die wärmere Temperatur stellen Sie ihn über die Feiertage ins Wohnzimmer und hinterher holt ihn der Vermieter wieder ab. Der Baum wird eingepflanzt und kann weiter wachsen.

Allerdings sollten Sie auch beim Baum-Ausleihen darauf achten, woher die Bäume stammen und ob sie mit Pestiziden behandelt wurden. Auch ist das Vermieten eine große Belastung für die Bäume, nicht alle vertragen es.